„IKEA liebt Russland“

– unter diesem Titel ist in Schweden im Oktober 2009 das Buch des ehemaligen Generaldirektors von IKEA-Russland, Lennart Dahlgren erschienen. Darin enthüllt der Schwede wie schwierig der Einstieg in den russischen Markt für ein westliches Unternehmen sein kann. Er beschreibt wie korrupt das gesamte bürokratische System ist und welche Schikanen sich russische Beamte einfallen lassen um Firmen zu Schmiergeldzahlungen zu bewegen. Trotzdem ruft Dahlgren in seinem Buch westliche Unternehmen dazu auf, in Russland zu investieren, da der russische Markt ein riesiges Wachstumspotential hat!
Doch über Korruption in Russland ist bereits viel geschrieben worden. Ich möchte interessierten Investoren ein weiteres Problem aufzeigen, das Dahlgren in seinem Buch behandelt: Russland ist riesig. Es hat den Anschein, daß es Grund und Boden ohne Ende gibt. Doch dem ist nicht so! Unternehmen Sie den Versuch in Russland etwas zu bauen, besonders im europäischen Teil, in der Region Moskau und sie werden sich wundern mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben werden!
Hier ein kurzer Auszug aus dem Buch: (Übersetzung des Autors aus der russischen Fassung)

„… das zweite IKEA-Kaufhaus sollte im Süden von Moskau, ebenfalls hinter dem Moskauer Außenring MKAD, auf ehemaligem Ackerland errichtet werden.

Im Zusammenhang damit erwartete uns eine riesige Geduldsprobe. Ein Teil des Grundstückes war „landwirtschaftliche Nutzfläche“, deren Status in „Industrieland“ umgewandelt werden mußte, das ist aber gar nicht so einfach. Noch schwieriger war die Situation mit dem zweiten Teil des Grundstückes, bei dem es sich um ein Waldgebiet handelte, deren Umwandlung in einen anderen Status praktisch unmöglich ist. In diesen Prozess mußte eine Vielzahl von Komitees und Ämtern einbezogen werden – insgesamt 39 Instanzen. Nach jeder neuen Resolution wurde uns gesagt, daß wir nur noch eine letzte Erlaubnis zu erhalten hätten. Doch jedes Mal stellte sich heraus, daß noch die Genehmigung durch eine weitere Behörde notwendig sei und danach einer Weiteren…

Wir übergaben alle Dokumente von einer Instanz in die Nächste und sammelten fleißig alle notwendigen Unterschriften. Höhepunkt (wenn auch immer noch nicht die letzte Etappe) war die Unterschrift des russischen Premierministers Primakov. Danach kam dieses Papier wieder zu uns zurück, durch die gleichen Arbeitszimmer, nur in umgekehrter Reihenfolge. Doch wir hatten uns zu früh gefreut, als wir alle Dokumente in Händen hielten. Auf dem Grundstück wuchsen nach wie vor Bäume, die abgeholzt werden mußten – natürlich nur mit einer speziellen Genehmigung. Wer konnte denn ahnen, daß es unmöglich ist, eine Genehmigung für das Fällen von Bäumen zu erhalten, die in einem Wald wachsen, der formal nicht mehr existiert? Ich will mich einer Einschätzung enthalten, möchte aber trotzdem bemerken: bestimmte Unterschiede zwischen russischer und westlicher Logik sind objektiv vorhanden.

Wie kann man jetzt die Genehmigung für das Abholzen der Bäume bekommen? Wir wußten es nicht. Das Problem löste sich durch den Vizegouverneur der Region Moskau, Michael Menj, einen großen Förderer des Sports. IKEA-Russland unterstützte mit einer großzügigen Spende die Entwicklung des Kinder- und Jugendsports in der Moskauer Region. Danach gestattete man uns die Bäume zu fällen und mit dem Bau zu beginnen.“

Leider gibt es von dem Buch noch keine deutsche Fassung, aber vor wenigen Tagen erblickte die russische Übersetzung unter dem Titel „Wider die Absurdität – Wie ich Russland bezwungen habe – und Russland mich!“ das Licht der Welt.

Nach Einschätzungen von Experten ist das Defizit an Industrieland in Russland riesig. Nur 2% des Grund und Bodens in der Region Moskau haben den Status – Industrieland. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wollen zahlreiche Firmen, die bereits Grundstücke erworben haben, deren Status ändern. Welche Probleme dies mit sich bringt, kann man dem Zitat aus Dahlgrens Buch entnehmen.
Aus diesem Grund sollten deutsche Unternehmen, vor dem Kauf eines Greenfield-Grundstückes, den Erwerb von bereits existierenden Produktions- und Lagerflächen in Erwägung ziehen.

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3 Antworten

  1. Sehr informativer und wichtiger Artikel, der nützliche Tipps und Hinweise bietet, um nicht nur mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Welt zu gehen.
    Sicherlich sollte das Problem „wie investiere ich in Russland richtig und nach den Gesetzen der Moral in den Medien mehr diskutiert werden.
    Danke für den Hinweis.
    http://harrygambler2009.wordpress.com/2010/03/21/ikea-gegen-russische-korruption/

  2. […] wichtigen Diskussion im Internet geführt, an der sich auch russische Betroffene wie das Projekt „Industriepark`s“ bei Moskau beteiligen. […]

  3. […] von IKEA Russland in seinem Buch “IKEA liebt Russland” beschrieben (siehe auch meinen Artikel zu diesem Thema). In der Region Moskau sind z.B. nur 2% des Grund und Bodens Industrieland. Also […]

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