Über die Rolle von Industrieparks für die Automobilindustrie in Russland

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Anteil der Zulieferer von Komponenten und Systemen am Endprodukt „Automobil“ drastisch erhöht. Die strategische Entscheidung der Automobilkonzerne die eigene Fertigungstiefe zu reduzieren, hat dazu geführt, dass die Zulieferindustrie einen immer größeren Anteil an der Wertschöpfung übernehmen müssen.

Aufgrund der erhöhten Anforderungen in den Bereichen Fahrzeugsicherheit und Kraftstoffeinsparung, der Anwendung von innovativen Materialien und Mikroelektronik ist es zu einem wachsenden Einfluss von innovativen Lieferanten von Komponenten und Systemen am Endprodukt gekommen. Die Know-how-Ballance zwischen OEM und Zulieferer hat sich umgekehrt. Wenn noch vor 15-20 Jahren die Zulieferindustrie nach Zeichnungen der Automobilkonzerne Teile produziert hat, so hat sie heute einen Großteil an der Entwicklung eines neuen Fahrzeuges übernommen. Die Breite der Zulieferaufgaben reicht heutzutage vom Teiledesign nach vorgegebenen Bauraumdaten bis hin zur eigenen Grundlagenforschung.

Im Zusammenhang mit der neuentstandenen Situation intensivieren die marktführenden Automobilzulieferer in immer stärkerem Maße ihre Zusammenarbeit mit anderen Zulieferunternehmen. Dies gilt in erster Linie für strategische Allianzen zwischen Unternehmen mit technologisch ähnlichen Produkten, deren Ziel es ist synergetische Effekte im Bereich von Forschung und Entwicklung zu schaffen und zu nutzen, um die Kosten der Produktion zu senken. In zweiter Linie betrifft dies die koordinierte Zusammenarbeit zwischen einem Systemintegrator, der Direktzulieferer der OEMs ist und seinen Sublieferanten. Die so entstandenen horizontalen und vertikalen Synergien führen zu einer hohen Vernetzung zwischen den Zulieferunternehmen.

Um diese Zusammenarbeit zu intensivieren, Kosten zu sparen, logistische Probleme zu lösen und die Just-in-Time Versorgung der Automobilindustrie zu garantieren, siedeln sich Zulieferunternehmen zunehmend zusammen und in der Nähe der OEM an. Praktische Beispiele, wie die Belieferung der Endmontage des Werks von Audi in Ingolstadt, die Ansiedlung von Lieferanten für die Endmontage von DaimlerChrysler in Rastatt, der Innovationspark in Wackersdorf für die Endmontage von BMW in Regensburg und München zeigen, dass sich der Industriepark als Standort für die Automobilzulieferindustrie etabliert hat.

Allerdings möchte ich anmerken, daß die Organisation solcher Industrieparks in unmittelbarer Nähe der Automobilkonzerne sowohl Vorteile, als auch Nachteile hat. Hier stehen geringe Transportkosten und eine exakte just in time Lieferung gegen eine Abhängigkeit der Zulieferer von einem Automobilhersteller, geringere Herstellungszahlen und das Fehlen von hochqualifizierten Fachkräften in solchen Ballungsgebieten.

Auf dem Territorium der Russischen Föderation sind in den letzten Jahren eine Vielzahl von Industrieparks entstanden.Wie eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young gezeigt hat, haben die Meisten aber keine konkrete Spezialisierung und viele stehen bis zum jetzigen Zeitpunkt leer.

Als positives Beispiel kann in diesem Zusammenhang der Industriepark Ozery erwähnt werden, in dem sich bereits 10 Unternehmen niedergelassen haben. Ein großer deutscher Automobilzulieferer plant im Moment ebenfalls sich in diesem Industriepark niederzulassen und hier eine Produktion aufzubauen. Gerade für Hersteller von Komponenten für den Automobilbau, die sich nicht an einen einzigen OEM binden möchten, ist die geografische Lage von Ozery von ungeheurem Vorteil, da sich der Industriepark etwa im Zentrum des Dreiecks befindet, das die drei großen Automobilklaster Russlands bilden – Sankt Petersburg, Kaluga und das Wolgagebiet. Von hier aus lassen sich kostensparend alle drei Klaster beliefern. Dadurch können Transportkosten gesenkt und höhere Stückzahlen erreicht werden.

Zahlreiche Zulieferer stehen heute vor der Frage einer Lokalisierung ihrer Produktion in Russland, zu der sie von den Automobilkonzernen gedrängt werden, denen eine funktionierende Zulieferindustrie in Russland fehlt. Die Ansiedlung einer solchen Produktion in einem funktionierenden Industriepark kann diese Aufgabe ungemein erleichtern.

Zu Fragen zum Thema Lokalisierung einer Produktion in Russland, stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

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